Passivhaus Erfahrungsbericht – Leben im Passivhaus

Passivhaus
Passivhaus kurz nach Fertigstellung

Inzwischen wohne ich nun schon seit 8 Monaten in einem Passivhaus. Genaugenommen ist es sogar ein sogenanntes „Energieeffizenz Plus Haus“. Es wird also Zeit für einen kurzen Erfahrungsbericht. In diesem Erfahrungsbericht über mein Passivhaus möchte ich vor allem die Jenigen von euch informieren und vielleicht auch etwas helfen, wenn es um den Bau eines Passivhauses geht. Ich muss aber gleich mal vorweg sagen, dass ich da nicht so der Experte bin, wenn es um die Technik geht. Aber ich werde versuchen, es in meinem ersten Passivhaus Erfahrungsbericht so zu formulieren, dass es jeder versteht. Es soll also weniger um die Technik, sondern um die Lebensqualität in einem Passivhaus gehen. 😉

Warum haben wir ein Passivhaus gebaut?

Eigentlich war nie so richtig geplant, ein Passivhaus zu bauen bzw. zu kaufen. Bis vor ca. 1,5 Jahren habe ich nur immer wieder Mal im Fernsehen gesehen und habe die Leute auch mehr oder weniger als „Ökos“ abgetan. Inzwischen wurde ich aber bereits eines besseren belehrt, wie ihr später sicherlich noch lesen werdet.

Bodenunterbau Passivhaus
Bodenunterbau Passivhaus

Auf unser Passivhaus sind wir durch unseren damaligen Nachbarn gestoßen, der das Grundstück neben uns neu bebauen wollte. Aufgrund der Lage in Regensburg hatten wir sofort Interesse bekundet – unabhängig von der Bauart bzw. bis zu diesem Zeitpunkt näher darauf eingegangen zu sein. Zusammen mit seinem befreundeten Architekten hat er aber u.a. wegen der guten Süd-Ausrichtungsmögichkeiten sofort ein Passivhaus (Doppelhaus) geplant. Und so sind wir letztendlich zu einem Passivhaus gekommen. Bis zum Einzug war ich nie in einem gewesen und so bleiben doch immer wieder Zweifel im Hinterkopf.

Was musste beim Bau des Passivhauses beachtet werden?

Was ich immer wieder sofort höre, wenn ich berichte, dass ich in einem Passivhaus wohne ist, dass man doch mit Schimmel zu kämpfen hat, da man ja die Fenster nicht öffnen dürfte und die Isolieren zu gut dafür ist. Das ist natürlich totaler Quatsch. Ich darf – und will auch regelmäßig lüften, so wie in jedem anderen Haus auch. Das das Passivhaus gut isoliert ist, stimmt allerdings natürlich.

Da wir das Haus im Rohbau übernommen haben, habe ich noch einen großen Einblick „hinter die Kulissen“ während des Baus erhalten. Wir haben viel selbst gemacht, was natürlich auch zu Gunsten der Kosten positive Auswirkungen hatte.


Das Kernstück des Passivhauses ist die Lüftungsanlage. Die Lüftungsanlage versorgt das Haus nicht nur mit Frischluft von außen, es verwendet auch die bestehende Wärme um v.a. im Winter das Haus zu beheizen. Die Heizung ist natürlich ein wichtiges Thema in einem Passivhaus. Es gibt nämlich keine! Aber wie soll man nun die 150 qm Wohnfläche beheizen? Beheizt wird das Haus v.a. durch die Sonne. Und das  ist echt unglaublich! Schon während der Bauzeit musste ich an sonnigen Wintertagen (bei Temperaturen unter 0 Grad) innerhalb des Rohbaus meine Jacke ausziehen, da es so warm war. Durch die gute Isolierung und die speziell für dieses Passivhaus angefertigten Fenster (Isolierung + bestimmter Grauton) kommt sehr viel Wärme ins Haus und bleibt dann auch dort, wo man sie benötigt. Die Ausrichtung des Hauses ist sehr genau berechnet, sodass man auf der Süd-Seite möglichst lange von der Sonne profitiert.

SolarDie zweite Wärmequelle ist ebenfalls die Sonne. Und zwar über eine Solaranlage der Warmwasserspeicher. Der Technikraum mit dem Kessel samt Lüftungsanlage ist dabei im Erdgeschoss, damit die Wärme gleich im Wohnbereich bleibt. Dadurch hat man über das warme Wasser eine zusätzliche optionale Wärmequelle. Wasser ist auch die einzige Heizung im Bad. Durch die Wand gehen kleine Wasserrohre, die das Wasser dort durch leiten. Das ganze wird durch ein Thermostat gesteuert.

Die dritte Wärmequelle ist der Schwedenofen im Wohnzimmer. Dieser ist speziell für Passivhäuser entwickelt und direkt an die Lüftungsanlage angeschlossen. Seit Februar hatten wir ihn jedoch genau ein Mal in Betrieb. Am Tag der Inbetriebnahme durch den Installateur.

Damit man auch sicher gehen kann, dass das Haus auch richtig gut abgedichtet ist, wird nach Fertigstellung das Haus dem sog. „Blowerdoor“ Test unterzogen.

Ein Keller im Passivhaus?

Wir wollten kein Haus ohne Keller. Ein Keller bietet einfach zu viele Vorteile, auf die ich nicht verzichten möchte. Aber geht das überhaupt bei einem Passivhaus? Ja natürlich! Aber es sind natürlich einige Dinge zu beachten:

  • Der Keller muss vom Wohnbereich getrennt sein. Wir haben deswegen zum Keller eine richtige Wohnungseingangstüre sowie die Unterseite der Treppe besonders gut Isoliert.
  • Die Dämmschicht unterhalb des Fußbodens muss besonders gut sein. Wir haben den ganzen Fußbodenaufbau zur Verlegung der Lüftungsrohre, der Strom- und Elektroleitungen verwendet. Nach einer Ausgleichsschüttung kamen zwei Ebenen Jackodur- Dämmplatten, eine OSB-Platte, Trittschall und dann erst der Fußboden

Ist eine Photovoltaik notwendig?

Nein, eine Photovoltaik-Anlage ist bei einem Passivhaus nicht zwingend notwendig. Aber auf jeden Fall sinnvoll. V.a. auch, da es bei der KFW dafür speziell geförderte Programme gibt. Bei uns rechnet sich die Anlage bereits seit dem ersten Tag. Trotz Tilgung der Finanzierung erhalten wir monatlich schon Geld zurück durch die Einspeisung. Unter dem Tag müssen wir zudem so gut wie keinen teuren Strom einkaufen, da wir diesen selbst produzieren.

Wie ist die Wohnatmosphäre in einem Passivhaus?

Ofen im PassivhausVon der Wohnqualität bin ich extrem positiv überrascht und begeistert. Ich würde nicht nur aus Gründen der Einsparungen an Gas-, Warmwasser, Stromkosten zu einem Passivhaus raten. Ich finde es echt angenehm. Schon Anfang Februar, als wir eingezogen sind hatten wir 23-24°C innerhalb des Hauses. Und das seit dem kontinuierlich. Man muss sich allerdings etwas umstellen und auch etwas mehr vorausplanen. So sollte man den Wetterbericht immer gut im Auge haben. V.a. im Sommer sollte man gut mit seinen Raffstores arbeiten. Aber da kommt man relativ schnell rein, v.a. wenn man bei einem sonnigen Tag mal vergisst, seine Jalousien etwas zu zu machen und man Abends 30°C im Haus hat. 😉

Aber wie bereits geschrieben. Wenn man mal dahinter kommt ist die Temperatur sehr konstant. Gelüftet wird auch täglich bei uns, was im gesamten Haus für eine sehr gute Luft sorgt. Aber auch die Regelung der unterschiedlichen Lüftungsstufen ist hier sehr angenehm.

Interessant wird jetzt evtl. der erste strengere Winter. Da kann ich leider noch nichts darüber in meinem Passivhaus Erfahrungsbericht schreiben. Ich denke jedoch, dass im Frühjahr mein zweiter Passivhaus Erfahrungsbericht folgen wird.


Solltest Du mit dem Gedanken spielen, dir Ein Passivhaus zu kaufen, zögere nicht und schreib mir einfach. Ich wäre manchmal froh gewesen, wenn mir jemand bei so mancher Entscheidung geholfen hätte.

Von: Markus Himmelstoß

6 Gedanken zu „Passivhaus Erfahrungsbericht – Leben im Passivhaus

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